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Die Küken müssen vom Schornstein herunter

Veröffentlicht am: 2020-05-07 23:08:55

Ihr habt sicher schon auf einen Bericht gewartet aber eieiei war das ein aufregender Tag ...

Storchenpapa Lui wurde ja bei einem Unfall verletzt. Auch nach der bevorstehenden OP wird er kein "Langstreckenflieger" mehr werden.

Normalerweise passt Mama Storch auf die Jungvögel auf, während der Vater das Futter besorgt. Auf dem Wasunger Horst, bei der Wäscherei, mussten die vier Jungen arg Hunger leiden und die Störchin hatte letzte Nacht schon das Kleinste aus dem Nest geworfen. Ob es bereits tot war, weiß leider niemand aber es war wesentlich kleiner, als die anderen.

Nun war guter Rat teuer und die storchenkundigen Menschen vom BUND Schmalkalden-Meiningen und der Unteren Naturschutzbehörde wie auch das Landratsamt Schmalkalden- Meiningen (Veterinäramt) haben entschieden, dass die Jungvögel dort so schnell wie möglich weg müssen, um ihr Überleben zu gewährleisten.

Zum Glück stand auch die Wildtierstation Rhön-Saale e.V. für alle Fragen zur Verfügung und war bereit, die Jungvögel vorerst aufzunehmen und zu stabilisieren.

Da so eine "Tierschutzkette" auch beim Transport nicht abreißen darf, bekamen wir den Auftrag für den Eiltransport nach Sandberg, Bayern, Germany.

Die Firma Forch Bedachungen Gmbh konnte mit einem Kran und "Gondel" aushelfen. Aus der Freiwillige Feuerwehr Wasungen erklärte sich Matthias Kämpf bereit, die eigentliche Tierrettung hoch oben in der Luft zu übernehmen.

Es war schon eine nervenzerreißende Situation denn niemand wusste, wie die Störchin reagiert. Wahrscheinlich war ihr aber der ganze Tumult zu viel, so dass sie immer wieder kurz wegflog um kurze Zeit später wieder zu kommen.

Diese mutterfreie Zeit nutzte der Kranführer um den Kran in Position zu bringen. Mama Storch kam zurück und etwas fiel aus dem Nest. Schockmoment für alle Beteiligten.

Gott sei Dank war es kein Küken sondern nur loses Geäst was da auf dem Boden lag. Ein kurzer Blick über die Storchencam zeigte, dass alle noch im Nest waren. Aufatmen!

Für Matthias Kämpf war es nun besonders schwierig, denn die Gondel ging zwar nah genug an das Nest heran aber die Kleinen saßen ja in der Mitte und er musste sich über die Gondel lehnen, um die Jungen zu erreichen, als die Störchin das Weite suchte.

Als alle Winzlinge im Karton saßen, ging ein Raunen durch die Menge und es gab Beifall für den Retter.

Dann musste eigentlich alles ganz schnell gehen aber viele wollten Fotos der Bande machen und es war ganz schön schwer, die Menschen auf Abstand zu halten.

Wir haben sie dann schnell mit Handtüchern umwickelt, damit sie nicht auskühlen. Wenigstens einer hat gezappelt und gezeigt, dass er es nicht so toll fand, was gerade mit ihm geschieht. Das war ein gutes Zeichen.

Nun aber schnell nach Franken. In der Wildvogelstation wurden wir erwartet und es gab keine gute Prognose für zwei der Kleinen. Mit fachkundigen Händen stabilisierte Theresa die Vögel. Sogar jeweils zwei Mäuse fraßen sie. Das war der Moment, wo wir sie zum ersten Mal bewusst anfassen konnten ... das Gefieder war zart und absolut flauschig gleichzeitig.

Um einiges schlauer verließen wir den Hof. Am Abend kam dann noch ein Anruf, mit der guten Nachricht, dass alle nochmals gefressen haben und Theresa denkt, dass sie es alle schaffen werden. 

Wir möchten uns bei allen bedanken, die an dieser Aktion beteiligt waren. Alle Entscheider, die wirklich schnell reagierten, Kostenträger und ganz besonders den Rettern! Das war das erste Mal, wo alle Institutionen so fix GEMEINSAM für das Tierwohl an einem Strang gezogen haben.