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Silvester- ein Alptraum für Tiere

Veröffentlicht am: 2019-12-30 15:19:45

Es ist jedes Jahr dasselbe: Die Zweibeiner haben ihr Vergnügen daran, wenn es zum Jahreswechsel knallt und zischt und bunte Lichterfontänen vom Nachthimmel regnen. Für Tiere, die oft ein viel sensibleres Gehör haben und viel schreckhafter reagieren, sind der stundenlange ohrenbetäubender Lärm, der Brandgeruch und die Lichtblitze der reinste Horror. Jedes Jahr erreichen auch die Meininger Tierauffangstation mitunter schon am Silvestermorgen die ersten Anrufe, dass sich Hunde beim Gassigehen losgerissen haben und davongerannt sind, weil Silvesterknaller sie zu Tode erschreckt haben. Voriges Jahr war am Nachmittag schon der erste Ausreißer eingeliefert worden. Manche Bellos werden erst nach Tagen wiedergefunden, mit etwas Glück von tierlieben Findern in die Tierauffangstation gebracht oder zumindest gemeldet. Eine Garantie, sein entlaufenes Tier wiederzufinden, hat man freilich nicht.

Bei Katzen sieht es nicht besser aus, wenn sich der Silvesterkrach in und über der Stadt entlädt. Die Miezen verkriechen sich voller Angst und finden manchmal nicht wieder nach Hause. Oder sie können sich aus ihrem Versteck nicht mehr selbst befreien. Auch bei Facebook häufen sich um den Silvester- und Neujahrstag die Tiersuchanzeigen. Um sich und seinem Tier diesen Alptraum zu ersparen, sollte man Zeit und Ort zum Gassigehen für Hunde um den Jahreswechsel herum sehr bedacht auswählen, um das Ausreiß-Risiko zu minimieren. Eine Leine zu benutzen, das versteht sich wohl von selbst. Freigänger-Katzen sollten unbedingt am 30./31. Dezember ins Haus geholt werden, wo sie so lange bleiben können, bis der Spuk vorbei ist. Daheim sollten die Haustiere möglichst vom Lärm abgeschottet werden und eine Bezugsperson bei den Tieren bleiben, damit sich das tierische Familienmitglied sicher fühlen kann.

Fundtiere, so sie denn in der Tierauffangstation ankommen, werden selbstverständlich kurzfristig wieder an die Besitzer herausgegeben. Der weihnachtliche Vermittlungsstopp der Tierherberge endet dagegen erst im neuen Jahr, zum 2. Januar.

Der Deutsche Tierschutzbund, Dachverband der meisten Tierschutzvereine, begrüßt alle Maßnahmen, die den Tieren diese stressige Zeit erleichtern. Der Tierschutzbund weist darauf hin, dass die meisten Tierarten, nicht nur Hunde und Katzen, unter Raketen und Knallern leiden, die sogar zu einer dauerhaften Schädigung des Gehörs führen können. Aufgeschreckte Wildtiere im Stadtgebiet, vor allem Wildvögel, verlassen mitten in der Nacht unter erheblichem Stress ihre Schlafplätze. Auch Schweine, Kühe oder Schafe und insbesondere Pferde reagieren empfindlich und können sich verletzen, wenn sie in Panik versuchen zu fliehen. Im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung besteht nicht zuletzt erhöhte Brandgefahr. Unmengen an Feuerwerkskörpern landen zudem in der Natur und schädigen diese nachhaltig. Denn Raketen und Böller sind mit giftigen Farben bedruckt und enthalten Schwermetalle und andere Schadstoffe, die in Böden und den Wasserkreislauf gelangen können.

Wegen der Feinstaubbelastung durch die Silvesterknallerei und auch der Brandgefahr haben sich schon mehrere deutsche Städte entschieden, das Böllern in dicht besiedelten Zonen zu untersagen. Erste Bau- und Supermärkte verzichten auf den Verkauf von Feuerwerk. Aus Tierschutzsicht sind Feuerwerke angesichts der damit verbundenen negativen Begleiterscheinungen generell abzulehnen. Der Deutsche Tierschutzbund hat deshalb in einem Brief an den Präsidenten des Deutschen Städtetages appelliert, auf den Verzicht von Feuerwerken hinzuwirken. Mindestens empfiehlt der Verband Schutzzonen für Bereiche, in denen viele Tiere leben. Dazu gehören Innenstädte, Tierheime, Stallungen, Koppeln und Weiden, aber auch Waldränder, Parkanlagen und Uferregionen.