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Unser Einsatz in Geba - vielen Dank an die Familie

Veröffentlicht am: 2019-08-14 09:00:30

Kürzlich wurde dem Meininger Tierschutzverein in Geba eine streunende Katzenfamilie gemeldet. Diese Familie besteht aus der Mutterkatze und drei Kitten. Eine Gebaer Menschenfamilie beobachtete das Treiben der Katzenbande schon eine ganze Weile, denn schließlich kann man nie ganz sicher sein, ob die Katzen nicht doch jemandem gehören. Hier war das nicht der Fall – im Gegenteil!

Leider mussten die Tierfreunde mit ansehen, dass Mamakatze mit einem Besen in der Nachbarschaft geschlagen und verscheucht wurde.
Die Melder haben selber keine Katzen, aber als wir, um die Lage auszukundschaften, dort ankamen, waren wir sehr verblüfft. Auf dem Grundstück hatte die Familie extra einen Katzenbereich eingerichtet mit Kratzbaum, Schutzhüttchen und Spielsachen. Die Frau des Hauses fütterte die Katzen regelmäßig und die Racker gewöhnten sich dadurch sogar schon an eine bestimmte Uhrzeit am Abend, zu der sie schließlich auftauchten.
Für die Familie war die Situation nicht so einfach, da sie selbst Hunde halten und die kleinen Katzen sich nichts gefallen ließen.

Bei dieser ersten Ortsbegehung sahen wir leider nur zwei Katzen. Die Mutter, die sofort die Flucht ergriff, und eine kleine Mieze. Dann besprachen wir die Lage und die Möglichkeiten. Die Mutter, so erfuhren wir, kam inzwischen nur noch ab und an, um ihre Babys zu besuchen, aber ging nun wieder eher ihrer eigenen Wege. Die Kitten schätzten wir auf ein Alter von acht bis neun Wochen. Sie fraßen schon lange selbstständig laut Aussage ihrer Gebaer Betreuer.

Bevor die Mamakatze erneut trächtig werden würde, entschieden wir, sie kastrieren zu lassen, sie anschließend zurück in ihr Revier zu bringen und die Kleinen einzufangen und in einer Pflegestelle einzuquartieren. Die Tierauffangstation ist für solche Fälle keine Ideallösung, denn die Katzen sind schon zu alt, um sie dort optimal sozialisieren – also zähmen und an Menschen gewöhnen zu können. Bei diesen Streunern braucht es Geduld und viel Zeit, bis sie die Angst vor Menschenhände verlieren.

Natürlich gibt es auch herrenlose Miezen, bei denen man schon nach ein paar Tagen merkt, dass die neue Situation eine Qual für sie ist. Für sie suchen wir dann nach einer anderen Lösung. Sie werden dann zu registrierten Streunern an eingerichteten kontrollierten Futterstellen des Tierschutzvereins, die von ehrenamtlichen Helfern versorgt und beobachtet werden.

Wie schon erwähnt, besprachen wir unser Vorgehen mit der Gebaer Familie und fragten auch nach, ob ihnen eine andere Lösung besser zusagen würde. Wider Erwarten, waren sich die Grundstückseigentümer schnell einig, die Mutter-Katze nach der Kastration weiter betreuen zu wollen. Das ist für uns immer ein Glücksfall, denn eine ausgewachsene, menschenscheue Katze vermittelt zu bekommen, ist äußerst schwierig. Dort aber hatte sie ihr angestammtes Revier und kannte bereits die vollen Futternäpfe der Tierfreunde.

Für uns ehrenamtlichen Helfer war diese Familie ein absoluter Gewinn, denn wir mussten nicht fünf, sechs Mal pro Woche dorthin fahren, weil sie wirklich alles alleine erledigte. Nur die notwendige Fangausrüstung und die Formulare des Tierschutzvereins brachten wir wenig später noch einmal vorbei. Bereits wenige Tage später war die Mutter eingefangen und von den Leuten persönlich zum Kastrieren zu unserem Vertragstierarzt gebracht worden. Glücklicherweise hatten die tierlieben Gebaer auch einen Raum, in dem die Mamakatze sich in Ruhe von der Operation erholen konnte.

Zwischenzeitlich wurden zwei Kleine eingefangen und auch in diesem Raum untergebracht, bis letztendlich auch Kitte Nummer drei zwei Tage später in die Falle tapste. Zugegeben: Das war schon ein cleveres Mädchen, denn sie pfötelte das Futter der Lebendfalle fast komplett von der Seite nach außen. Die Falle löste zwar mehrfach aus, aber nie saß das Tigerchen darin.

Zur Erklärung: Fallen dürfen nicht einfach überall aufgestellt werden! Wenn ihr dazu Informationen braucht, wendet euch bitte an uns. Stellt ihr eine Falle auf öffentlichen Grund und Boden, erfüllt ihr den Straftatbestand der Wilderei, wenn diese nicht ordnungsgemäß angemeldet wurde. Auch muss man ganz regelmäßig nachschauen, ob vielleicht ein Tier darin sitzt.

Die Gebaer Familie ist wirklich sehr tierlieb. Sie gaben uns Futter, Spielzeug und Katzenmilch mit und versprachen, uns auch weiterhin zu unterstützen. Als besonderen Clou gab es Schutzengelchen für jedes Kitten mit auf den weiteren Lebensweg.

Tatsächlich erleben wir so viel Hilfe recht selten. Viel öfter bekommen wir zu hören: „Die Katzen müssen weg!“ Für eine Fangaktion brauchen wir meist mehrere Tage und viel Geduld. Wenn keine helfenden Menschen vor Ort wohnen, können wir die Fallen nicht länger als zwei Stunden unbeobachtet stehen lassen denn die Verletzungsgefahr für die gefangenen Tiere ist einfach zu groß. Das heißt für uns Tierschützer, abends nach dem eigentlichen Beruf noch loszuziehen, um Babys – im Idealfall mit Mutter – einzufangen. Natürlich gilt Selbiges auch für unsere Kastrationsaktion erwachsener Katzen.

Nach der Sicherung werden die Babys und ihre Mutter in der Tierauffangstation registriert und begutachtet. Manchmal ist es notwendig, die Kitten sofort mit Aufzuchtmilch und Medikamenten zu versorgen, weil sie sich in Lebensgefahr oder in schlechter Verfassung befinden. Ob sie sofort zum Tierarzt müssen, entscheiden die Mitarbeiter bzw. kann man im Laufe der Zeit aufgrund eigener Erfahrungen recht gut selbst einschätzen, welche Hilfe vonnöten ist. Wenn sie nicht gleich ärztliche Betreuung benötigen, dürfen die Kleinen in ihr vorläufiges Zuhause einziehen.
Wir versuchen, situationsbedingt zu entscheiden, wo welche Tiere am besten aufgehoben sind, denn Kitten, die zum Beispiel mit Flasche aufgezogen werden müssen, sind schlecht in einer Pflegestelle aufgehoben, deren Betreuer berufstätig sind. Ganz Kleine müssen alle zwei Stunden Milch und danach ihr Bäuchlein massiert bekommen, um ihren Kot absetzen zu können.

Bis die Kleinen zur Vermittlung freigegeben werden, sollten sie zwölf Wochen alt und gesund sein. In dieser Zeit bekommen sie zwei Impfungen, Wurmkuren, bei Bedarf Kuren gegen Parasiten oder Antibiotika gegen Katzenschnupfen, zudem untersucht sie unser Vertragstierarzt immer wieder. Diese Kosten trägt der Verein, der deshalb immer wieder auf Spenden angewiesen ist. Aber die Fahrten zum Tierarzt finanzieren die Pflegestellen meist selbst.

Am Ende ihres Aufenthaltes werden die Katzenkinder noch gechippt und sofort registriert. Zusätzlich erhalten die neuen Besitzer einen Kastrationsgutschein, damit wir sicher sein können, dass sich die Streunerproblematik nicht verschlimmert.

Ihr seht, dass eine ganze Kette an Helfern und Mitarbeitern benötigt wird, bis ein Streunerbaby in ein sicheres Zuhause vermittelt werden kann. Der zeitliche Aufwand ist enorm und oft stoßen wir an unsere Grenzen – körperlich, psychisch – aber vorwiegend fehlt es an Plätzen. Momentan stehen fünf Gemeinden auf der Warteliste, in denen Streunerkitten entdeckt wurden. Für jeden Melder ist es dringend und ein Notfall, aber wir können nicht gleichzeitig überall sein und gerade haben wir keine freie Pflegestelle mehr zur Verfügung. Wir bitten daher um euer Verständnis oder Eigeninitiative. 75 Kitten müssen schon jetzt versorgt, betuttelt und vermittelt werden. Einige Betreuer wollen auch ihren wohlverdienten Urlaub machen. Bis auf die Mitarbeiter der Tierauffangstation sind wir alle ehrenamtliche Helfer, haben Beruf und Familie, viele auch eigene Tiere.

Wir machen alles sehr gerne zum Wohle der Tiere, brauchen aber auch euer Verständnis, sofern einmal Wartezeiten entstehen.

Am Ende dieses riesigen Posts ein Appell an alle: Bitte, bitte lasst eure Miezen kastrieren! Sprecht Freunde, Bekannte und Verwandte darauf an, wenn ihr wisst, dass sie unkastrierte Freigänger haben. Eine Kastration kostet nicht viel! Doch sie kann so viel Tierleid verhindern! Wir freuen uns auch über jeden von euch, der uns bei unseren Aktivitäten unterstützen möchte.

Vorbildlich sind die Katzenbesitzer, die ihre Samtpfoten chippen lassen. Das bereitet euren Vierbeinern keine Schmerzen, kann sich aber noch als sehr nützlich erweisen! Ein Chip macht allerdings nur Sinn, wenn die Transpondernummer anschließend bei den Tierregistern Tasso oder Findefix von euch gemeldet wird. Geht euch Minka oder Schnurri mal verloren, habt ihr große Chancen, euren Liebling wiederzufinden.
Bei uns wird jede Fundkatze und auch jeder Todfund auf einen Transponder untersucht. Unser Chiplesegerät zeigt die Nummer an, die ihr eventuell bei Tasso oder Findefix registriert habt. Die Anmeldung bei diesen zwei Portalen ist kostenlos und schnell erledigt.

Helft uns bitte, das Kitten-Martyrium zu beenden!