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Kinderkriegen im Kinderwagen

Veröffentlicht am: 2019-05-16 11:42:07

Meiningen/Henfstädt Für viele Tierkinder ist die Frühlingssonne das erste Licht der Welt. Auch die ersten Katzenbabys sind nun da, viele werden noch folgen. Leider haben nicht alle einen leichten Start ins Leben, manche bekommen gar keine Chance, überhaupt groß zu werden. Oft wird der Katzennachwuchs nicht da geboren, wo die Miezenmama lebt und vielleicht von ihren Besitzern bei der Jungenaufzucht Unterstützung finden könnte. Andere Katzenmütter leben als Streuner, werden nirgends gefüttert und haben ihre liebe Not, ihre Kitten durchzubringen. Manche werden leider auch durch unglückliche Umstände daran gehindert, nach der Futtersuche zu ihren noch nicht allein lebensfähigen Kleinen zurückzukehren. Oder die kleinen Wollknäuels werden gar von herzlosen Menschen irgendwo ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Die Tierschutzvereine bekommen deshalb in diesen Tagen häufig Meldungen über ausgesetzte oder verwaiste Babykatzen.

Pflegestellen gesucht

Da die Winzlinge eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung brauchen, ist die Tierauffangstation nicht der geeignetste Ort für die Katzenkinder. Dafür braucht es liebevolle Pflegestellen, weshalb der Tierschutzverein Meiningen auch in diesem Jahr alle Tierfreunde mit der nötigen Zeit, der erforderlichen Geduld und den passenden räumlichen und familiären Möglichkeiten bittet, sich zu melden, wenn sie sich vorstellen können, eine Pflegestelle zur Kätzchenaufzucht zu sein. Im vorigen Jahr gelang es dem Verein dank seiner Pflegestellen, selbst in einigen scheinbar aussichtslosen Fällen Katzenbabys zu retten. An die 90 Kätzchen konnten aufgezogen und in die Hände von Tierfreunde gegeben werden. Bei aller Arbeit ist es auch ein großes Vergnügen, den entzückenden Babys auf dem Weg ins Leben zu assistieren und tagtäglich mit anzuschauen, wie sie wachsen und gedeihen. Wer Freude an dieser verantwortungsvollen Aufgabe hat, vielleicht sogar schon Erfahrung damit, sollte Kontakt zum Tierschutzverein aufnehmen! Zu erreichen ist die Tierauffangstation telefonisch unter der Nummer (03693) 478460, wochentags zwischen 7 und 17 Uhr, am Wochenende bis 12 Uhr. Wer noch Tipps benötigt, was bei der Kittenaufzucht zu beachten ist, bekommt selbstverständlich die nötige Einweisung. Ebenso ist der Tierschutzverein bei der Belieferung mit Katzenmilch und Katzenfutter behilflich – genauso bei der ärztlichen Versorgung der Winzlinge und der Vermittlung, wenn die Schützlinge groß und alt genug dafür sind.

Ein ungewöhnlicher Gast

Schon geholfen werden konnte kürzlich einer Katzenmama in Henfstädt. Das Leben schreibt bekanntlich immer noch die besten Geschichten. Auch die besten Tiergeschichten. Folgendes war passiert. Eine Meininger Tierfreundin tauschte sich per Handy mit ihrer Cousine in Henfstädt aus, die ihr Fotos schickte von einer Katze, die ihr und ihrem Kinderwagen hartnäckig hinterherspazierte. Dann tauchte die Mieze auch bei der Cousine zu Hause auf, lief schnurstracks durch den Gemeinschaftsflur, wo der Kinderwagen stand, stieg in das Gepäckfach unten ein und blieb beharrlich darin liegen. Die beiden Cousinen scherzten am Telefon noch, dass die Katze vielleicht schwanger ist und sich einen Kinderwagen ausgesucht hat, glaubten aber eigentlich nicht daran. Da die Katze stur ihren Platz behauptete, verständigten sich die jungen Frauen über das weitere Vorgehen – von Chip-Auslesen bis zur Besitzer-Suche über Facebook. Die Meiningerin nahm Kontakt zur Facebook-Seite des Meininger Tierschutzvereins auf, um sich Tipps geben zu lassen, und kontaktierte auch den Hildburghäuser Tierschutzverein Pfötchenoase. Plötzlich rief die Henfstädter Cousine wieder an mit der überraschenden Nachricht: „Die Katze wirft gerade, ich sehe kleine Füße ...“ Mit Tipps vom Meininger Tierschutzverein zur Umbettung der Kinderwagen-Mieze machte sich die Meininger Cousine nun auf den Weg nach Henfstädt, die das junge Katzenfamilienglück bereits im Bad gesichert hatte. Gemeinsam hoben die Frauen die Tierchen mitsamt der Matte aus dem Wagen, um die Samtpfötchen besser anfassen und in den ausgepolsterten Karton umsetzen zu können. „Beim Letzten bemerkten wir, es hängt noch an der Nabelschnur“, erinnert sich die Meiningerin. Nach tierärztlichem Rat durchtrennten die menschlichen Geburtshelferinnen die Nabelschnur schließlich und rubbelten das Kleine trocken. Kurz drauf kam auch schon die Nachgeburt und wurde sofort von der Mutterkatze aufgegessen. „Wir haben das Kleine dann an die Zitze gelegt und es erstmal ruhen lassen und der Mutti noch was zu essen und trinken gegeben, was sie auch gleich komplett verspeiste.“ Am Ende dieses aufregenden Nachmittags kam dann das Pflegestellenpaar vom Hildburghäuser Tierschutzverein vorbei, um die kleine Katzenfamilie - die Mama mit ihren drei Jungen – abzuholen und in ihre Obhut zu bringen. Dort können die Kleinen nun ungestört aufwachsen, bevor sie an Katzenfreunde weitervermittelt werden.